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Am 14. Februar ist Valentinstag. Ein Tag, an dem sich Geliebte gegenseitig eine Freude machen. Das kann alles sein, von kleinen Geschenken wie Blumen, Pralinen oder Schmuck bis hin zum gemeinsamen Essengehen oder dem Besuch von Veranstaltungen. Auch Japan hörte von dem Tag der Liebenden und war fortan interessiert. 4 Familii zeigt euch, wie der Tag im Land der aufgehenden Sonne gefeiert wird und wie daraus der White Day resultierte.
Die Anfänge
In den 1950er Jahren begannen die ersten Süßwarenläden an diesem Tag vermehrt Schokolade in Herzform anzubieten und sie als Valentinstagsschokolade zu verkaufen. Zuerst erreichten sie damit nur Touristen, aber mit der Emanzipation der Frauen änderte sich das. Damals war es nämlich für japanische Frauen ein Tabu, einem Mann ein “Kokuhaku” (auf Deutsch: Liebesgeständnis) zu machen. Mit Hilfe der Schokolade konnten sie es ohne Worte tun. In den 1960er Jahren begannen daher immer mehr japanische Frauen Interesse an der Idee des Valentinstags zu zeigen. So unterstützte damals eine Süßigkeitenfirma die Frauen in ihrer Initiative, ihrem Schwarm ihre Liebe zu gestehen, indem sie ihnen dafür Schokolade anbot. Somit wusste jeder Mann, der am Valentinstag eine Schokolade von einer Frau bekam sofort, dass diese an ihm interessiert war. Mit der Zeit nutzten die Frauen den Valentinstag aber nicht nur um ihrem Geliebten ihre Liebe zu gestehen, sondern auch um Freunden, Familie und Kollegen oder auch sich selbst ihre Wertschätzung zu zeigen.
Die verschiedenen Schokoladen am Valentinstag
Die wichtigste Schokolade ist natürlich auch heute noch die an den ganz besonderen Menschen. Egal, ob man einen heimlichen Schwarm hat, dem man seine Liebe gestehen möchte, gerade eine Beziehung angefangen hat oder bereits ein Ehepaar ist, in jedem Fall braucht man für diese Person eine ganz besondere Schokolade.
Honmei-choco - Die Schokolade der wahren Liebe
Die Honmei-choco ist die Schokolade, die die Frau dem einen Mann schenkt, der ihr am meisten bedeutet. Und das zeigt sie dadurch, dass sie die Schokolade selbst herstellt. Mit Kakaopulver, Kakaobutter und einem Süßungsmittel bereitet sie ganz einfach ihre eigene Schokolade zu. Optional kann sie noch Milch, Nüsse oder andere Leckereien hinzugeben. Zum Schluss muss sie sie nur noch in Form bringen, vollständig erkalten lassen und gegebenenfalls verzieren. Ob kleine Schokoladenkugeln oder ein riesiges Schokoladenherz spielt dabei keine Rolle. Hauptsache, sie steckt ihr ganzes Herz hinein und verdeutlicht damit der Person, die sie liebt, wie wichtig sie für sie ist. Aber natürlich muss der Geliebte, Partner oder Ehemann nicht die einzige Person sein, die der Frau sehr wichtig ist. Wenn sie einen sehr guten Freund oder auch mehrere hat, die sie genauso wertschätzt, kann sie das ebenfalls am Valentinstag zeigen. Dabei ist es auch egal, ob diese männlich oder weiblich sind.
Tomo-choco - Die Freundes-Schokolade
Wer sagt, dass der beste Freund oder die beste Freundin nicht ebenfalls ein geliebter Mensch sein kann? Mit der Tomo-choco kann eine Frau ihren liebsten Freunden und Verwandten am Valentinstag ebenfalls eine Freude machen. Diese Schokolade kann sie ebenfalls selber machen, sie sollte nur ein bisschen anders aussehen, als die für ihren Geliebten. Sie kann für sie aber auch einfach Schokolade kaufen. In jedem Fall zeigt sie ihren Freunden mit dieser Schokolade, wie wichtig sie ihr sind.
Giri-choco - Die Verpflichtungsschokolade
Die nicht so beliebte Schokolade für viele Frauen ist die Giri-choco. Diese Schokolade muss die Frau zwar nicht selber machen, sondern nur kaufen, es wird aber von vielen erwartet, dass sie sie allen männlichen Kollegen schenkt. Eigentlich als Dankeschön für Kollegen, den Chef oder auch Familienmitglieder gedacht, wird die Giri-choco heutzutage von einigen als Last empfunden. Denn einige Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt, Kollegen und dem Chef Schokolade zu kaufen, weil diese das von ihr erwarten. Wenn sie aber so viel Schokolade für andere besorgen oder auch selber machen, haben sie sich im Gegenzug auch etwas verdient. Zumindest die „Jibun-choco – Die Schokolade für sich selbst“, die sie sich selbst schenken, um sich selbst Wertschätzung zu zeigen und sich für ihre schwere Arbeit zu belohnen. Eventuell aber auch eine „Gyaku-choco – Die umgekehrte Schokolade“, die sie als Gegenleistung am selben Tag von einem Mann zurückerhalten können. Das kommt dann aber eher überraschend und unerwartet, denn die Gyaku-choco ist eher unüblich. Dafür gibt es in Japan nämlich einen eigenen Feiertag, an dem die Frauen von den Männern eine Gegenleistung bekommen für die Schokolade, die sie am Valentinstag erhalten haben.
Der White Day in Japan
Die Tradition des Valentinstags, dass an diesem Tag nur die Frauen Schokolade verschenken, begannen die Frauen bereits in den 1970er Jahren als ungerecht anzusehen. Sie wünschten sich etwas dafür zurück zu bekommen. Eine Frau verfasste deswegen sogar einen Brief für eine Frauenzeitschrift. Sie schrieb darin, dass sie gerne etwas von den Männern zurückbekäme, wie z. B. ein Stofftaschentuch, Süßigkeiten oder Marshmallows. Den Brief las der Chef einer Süßigkeitenfirma. Die Firma reagierte darauf, indem sie den Marshmallow Day erfand, den sie auf den 14. März, also einen Monat nach dem Valentinstag, datierte. An dem Tag konnten sich die Männer für die Schokolade, die sie am Valentinstag erhalten haben, bei den Frauen mit weißen Marshmallows revanchieren. Dafür entwickelten sie sogar Marshmallows mit Schokolade gefüllt, die die Dankbarkeit der Männer zum Ausdruck bringen sollte. Mit der Zeit entwickelte sich daraus der heutige White Day, an dem die Männer nicht mehr nur Marshmallows verschenken. Der White Day findet in Japan auch heute noch am 14. März statt. Die Farbe Weiß steht dabei für die Unschuld und Reinheit der Frau. Wenn sich die Männer bei den Frauen bedanken wollen, sollten die Geschenke weiß sein. Damit konnten die Frauen auch sicher gehen, dass sie nicht einfach die Schokolade zurückbekommen, die sie am Valentinstag selbst verschenkt haben. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass die Gegenleistung der Männer am White Day zumindest für die Geliebte mindestens dreimal so teuer sein sollte. An diesem Tag verschenkten die Männer also weiße Sachen wie Marshmallows, weiße Schokolade, Schmuck in Silber oder Weißgold oder auch weiße Kleidungstücke. Inzwischen müssen die Geschenke aber nicht mal mehr weiß sein, eine weiße Verpackung reicht völlig als Symbol für die Reinheit der Frau. Heutzutage können die Männer den Frauen am White Day schenken, was sie wollen. Je nachdem, ob es sich um weibliche Bekannte, Kolleginnen oder Freunde handelt, können die Geschenke natürlich auch hier unterschiedlich groß ausfallen. Und wie bei der besonderen selbstgemachten Schokolade, die die Frau am Valentinstag ihrem Geliebten schenkt, wählt auch der Mann am White Day für seine Geliebte das wertvollste Geschenk aus, um ihr zu zeigen, dass sie für ihn der wertvollste Mensch auf der Welt ist.
Text: Kathrin Szkola