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Vielleicht hast du schon einmal so etwas gehört, wie: „Da ist etwas, das ich dir nicht sagen kann“ oder „Wenn ich dir das sagen würde, wäre es kein Geheimnis mehr“. Vielleicht hattest du auch schon mal das Gefühl, dass dir jemand etwas verheimlicht, dass das, was er dir erzählt, nicht zusammenpasst oder keinen Sinn ergibt. Aber warum behalten Menschen überhaupt Informationen für sich? Nun, vielleicht weil sie denken, du wirst von ihnen enttäuscht sein oder traurig, wenn du es erfährst, oder sie fürchten sich vor den Konsequenzen für sich oder andere, wenn es herauskommt.
Es gibt viele Gründe, warum wir manches für uns behalten wollen. Wieso wir manchmal meinen, dass es besser wäre, eine Information nicht preiszugeben, oder sogar aktiv dafür sorgen, dass sie nicht ans Licht kommt. Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Vielleicht weißt du auch etwas, das du noch niemandem erzählt hast oder auch nur vor einer bestimmten Person geheimhältst. Egal, ob du darum gebeten wurdest oder dich selbst dafür entschieden hast, wenn du selber ein Geheimnis hast, weißt du es bestimmt: Es kann aufregend sein, wenn du etwas weißt, was andere nicht wissen. Besonders wenn du aktiv versuchst, es nicht zu verraten und deswegen Themen bewusst vermeidest oder Sachen auslässt. Es kann aber auch belastend sein, wenn du darüber nachdenkst, ob du es für dich behalten solltest, oder wenn du dich davor fürchtest, was passiert, wenn es ans Licht kommt.
Es ist ein Abwägungsprozess von, „Wie könnte diese Person reagieren, wenn ich ihr das verrate?“ oder „wenn sie es selber herausfindet?” und „Ist das eine Information, die diese Person wissen sollte?“ oder sogar „Hat sie ein Recht darauf, das zu erfahren?“ Dazu kommt noch die Frage, „Kann ich damit leben, es niemandem zu erzählen, oder ist das Geheimnis zu belastend für mich, dass ich es mit jemandem teilen muss?“ Es kann ein Gefühl von Erleichterung bringen, wenn ich ein Geheimnis mit jemandem teilen kann. Vielleicht ist es okay, ein Geheimnis einer Person zu verraten, von der ich weiß, dass ich ihr vertrauen kann, von der ich weiß, dass sie es niemandem erzählen wird und von der ich denke, dass es die Beziehung mit ihr nicht gefährden würde.
Da wir nicht in die Zukunft sehen können, können wir nicht wissen, wie jemand auf eine bestimmte Information reagieren wird. Wir können nur Vermutungen aufstellen, aufgrund von dem, was wir über die Person wissen. Je besser wir eine Person kennen, desto besser können wir einschätzen, wie diese Person diese Information aufnimmt. Ob sie sich davon nicht betroffen fühlen, Verständnis zeigen oder sie sogar positiv auffassen könnte. Oder, ob sie im Gegenteil, enttäuscht, wütend oder sogar verletzt wäre, wenn sie es erfahren würde. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass diese Information das Bild der Person, das sie von der, um die es in dem Geheimnis geht, bisher hatte, verändern könnte. Natürlich auch auf positive, aber leider auch auf negative Weise. Sie könnte von ihr beeindruckt oder stolz auf sie sein, wenn sie die Information als Zeichen von Mut oder Stärke auffasst. Sie könnte aber auch beunruhigt, verunsichert oder sogar verängstigt sein und den Umgang mit der Person verändern, oder sie könnte ihre Wut darüber direkt an der Person auslassen. Aus Angst vor solchen Reaktionen behalten wir Informationen lieber für uns.
Oder wir versuchen es zumindest. Denn selbst wenn wir uns bewusst dazu entscheiden, heißt das nicht, dass uns das immer gelingt. Wenn wir ausgelassen und sorglos sind und uns in einer Situation wohlfühlen, können wir etwas verraten, was wir eigentlich für uns behalten wollten. Manchmal erzählen wir auch etwas, das andere auf eine Theorie bringt, und wenn sie viel nachfragen, können wir uns geradezu gedrängt dazu fühlen, es zu verraten. Wenn wir unabsichtlich etwas verraten, können wir zumindest noch versuchen, es zu erklären. Wenn wir sichergehen wollen, dass die Person keine voreiligen Schlüsse zieht und niemand dadurch zu Schaden kommt, können wir ins Detail gehen und mehr Informationen preisgeben oder sogar erklären, warum wir es überhaupt vor ihr geheim gehalten haben, um mehr Verständnis zu erhalten.
Im Grunde geht es bei einem Geheimnis also weniger um den Inhalt, sondern mehr um die Reaktion des anderen und was es verändern würde, wenn diese Person dieselbe Information hätte. Wenn wir ein Geheimnis behalten wollen, gehen wir davon aus, dass die Person in irgendeiner Form negativ auf die Information reagieren würde. Wenn wir wüssten, dass es nichts verändern würde oder unsere Beziehung sogar positiv beeinflussen, würden wir gar nicht erst versuchen, es für uns zu behalten. Es sei denn natürlich, wir planen, diese Information zu einem bestimmten Zeitpunkt preiszugeben und die Person damit zu überraschen.
Text: Kathrin Szkola