07
Oct
2019

Acht Übergriffe auf Lehrer

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Gewalt gegen Lehrkräfte ist auch in Gelsenkirchen ein Thema. Die Zahl der Fälle hat um 14 Prozent zugenommen und folgt damit fast dem Landestrend

Gelsenkirchen. Attacken gegen Respektspersonen sind keine Seltenheit mehr. Auch Lehrer sehen sich immer mehr Übergriffen ausgesetzt. Erst Anfang September sorgte ein Fall aus dem Ruhrgebiet für Aufsehen: Ein 14-Jähriger verletzte den kommissarischen Leiter einer Duisburger Hauptschule so schwer, dass der Pädagoge im Krankenhaus behandelt werden musste.
435 registrierte Fälle hat es 2018 in NRW gegeben, bei denen 500 Lehrkräfte Opfer von Gewalt wurden, darunter sind 263 Körperverletzungsdelikte zu finden.

Ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2016. Die Redaktion fragt daher: Wie sieht die Situation in Gelsenkirchen aus?
„Uns sind im vergangenen Jahr acht Fälle von Gewalt gegen Lehrer in Gelsenkirchen bekannt geworden“, sagt Polizeisprecher Christopher Grauwinkel. Sie teilten sich auf in zwei Körperverletzungen, fünf Bedrohungen und eine Nötigung. Im Vorjahr sind halb so viele Lehrkräfte attackiert worden, seinerzeit überwog die Zahl der Körperverletzungenmit drei Fällen bei einer Nötigung.

Für einen adäquaten Vergleich mit den Zahlen des Landeskriminalamtes, muss das Jahr 2016 hinzugezogen werden. In dem Jahr registrierte die Gelsenkirchener Polizei sieben Übergriffe auf Lehrkräfte: fünf Körperverletzungen und zwei Bedrohungen. Ein Anstieg um 14 Prozent – in etwa deckungsgleich mit der Entwicklung in NRW. Bei welcher Schulform es besonders häufig zu Gewalt kommt, konnten LKA und Landespolizei nicht beantworten, weil das in ihren Statistiken „nicht erfasst wird“.

Jede vierte Schule kennt Fälle
Eine vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) 2018 bundesweit in Auftrag gegebene Umfrage unter 1200 Schulleitern förderte dazu das zu Tage: Jede vierte Schulleitung bejahte Fälle von körperlicher Gewalt gegen Lehrer, bei psychischer Gewalt (Bedrohung, Nötigung etc.) war es fast die Hälfte.

Die Attacken gegen Lehrkräfte haben dazu geführt, dass NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP einen „Aktionsplan gegen Diskriminierung und Gewalt“ ins Leben gerufen hat. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Gelsenkirchen ließ die Anfrage dieser Redaktion zum Thema unbeantwortet. Dafür äußerte sich die Bezirksregierung Münster (BZM), die zwar auch keine explizite Statistik zu Gewalt gegen Lehrer führt, dafür aber über den Umweg Dienstunfälle eine Aussage machen kann.

„14 anerkannte Dienstunfälle 2016 und neun anerkannte Dienstunfälle für 2017 im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt durch Schüler haben wir ermittelt. Diese Zahlen gelten für den gesamten Regierungsbezirk Münster“, sagt Sprecherin Ulla Lütkehermölle.

Eine Befragung im Auftrag der Bezirksregierung aus 2013 zeichnet folgendes Bild: Die körperliche Gewalt bewegte sich in einem Spektrum von acht Fällen an Berufskollegs im gesamten Bezirk bis zu 37 Fällen an Förderschulen. Verbale Gewalt gab es deutlich häufiger. Hier belegten Gymnasien mit 24 Fällen den unteren Schwellwert und Hauptschulen mit 57 Fällen den oberen.

Die Schulen reagieren laut Bezirksregierung auf gewaltsame Übergriffe von Schülerinnen und Schülern „mit erzieherischen und Ordnungsmaßnahmen und die Schulaufsicht macht von ihrem Strafantragsrecht Gebrauch.“
Das Gespräch zwischen allen Beteiligten als Grundlage, reichen die Maßnahmen von der Überweisung in eine andere Klasse über den Ausschluss vom Unterricht bis hin zum Verweis von allen öffentlichen Schulen des Landes und einem Strafprozess.

„Den Schulen kann die Bezirksregierung Münster zudem Sicherheitstrainings, den Lehrergesundheitstag 2019 zum Thema „Individuelle Beratung“ und bei Nachfrage die Hilfe der Schulpsychologie anbieten“, führt Ulla Lütkehermölle weiter aus. Parallel dazu hat die Bezirksregierung eine detaillierte Broschüre entwickelt, die unter anderem anhand von Fallbeispielen Wege aus der Gewaltspirale aufzeigt.

54 zusätzliche Stellen sollen helfen
Im Frühjahr hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer den Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung an Schulen vorgestellt. Darin ist vorgesehen, die Präventionsarbeit der Schulen im Land zu unterstützen. Unter anderem mit 54 zusätzlichen Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte und Beratungskräfte. Dort arbeiten aktuell 357 Kräfte, wovon das Land 189 finanziert und die Kommunen den Rest

Quelle Text: WAZ
Quelle Bild: Pixabay