19
Jun
2023

5 Anzeichen, dass euer Kind hochsensibel ist

Familie > 5 Anzeichen, dass euer Kind hochsensibel ist

Eine Familie sitzt im Café. Das Kind spielt ruhig neben den Eltern. Plötzlich, ohne einen ersichtlichen Grund, schreit es los. Die erschrockenen Eltern versuchen, es zu beruhigen. Aber nichts hilft. Das Kind brüllt weiter und reagiert nicht auf die Beruhigungsversuche seiner Eltern. Irgendwann schläft es erschöpft ein. Die Eltern fragen sich zum wiederholten Male, ob ihr Nachwuchs vielleicht doch krank sei oder sie etwas falschgemacht haben.

Warum weint mein Kind?
Solch ein Schreianfall im Kindesalter kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Trotz und Wut lassen unsere Kleinen schnell einmal „ausrasten“. Es kann aber auch ein anderer Auslöser sein: die „Höhere sensorische Verarbeitungssensitivität“, oder kurz die „Hochsensibilität“. Sie sorgt für Überforderung bei Kindern. Und was macht ein Kind, wenn es nicht mehr weiter weiß und sich gestresst fühlt? Ganz klar: Es weint, schreit, wird wütend, weil es mit der Situation nicht umgehen kann.

Wie finde ich heraus, ob mein Kind hochsensibel ist?
Vermehrtes Weinen im Kindesalter muss aber nicht unbedingt ein Anzeichen für Hochsensibilität sein. Erst das Zusammenspiel von verschiedenen Verhaltensweisen deuten auf diese besondere Art der Wahrnehmung hin. Wir haben für euch 15 Anzeichen für Hochsensibilität bei Kindern zusammengestellt.

Hochsensible Kinder:·      
·       sind schneller als andere Kinder gestresst und überfordert
·       nehmen Sinneseindrücke intensiver wahr
·       zeigen bereits im Kleinkindalter eine hohe Aufmerksamkeit
·       sind einfühlsam, intuitiv, kreativ, humorvoll
·       neigen zur Perfektion
·       stellen Fragen, die andere Kinder in ihrem Alter nicht fragen würden
·       haben ein überraschend breit gefächertes Vokabular
·       sind von Veränderungen gestresst
·       denken über Risiken nach und suchen nach dem sichersten Weg
·       sind lärm-, licht- und geruchsempfindlich
·       ziehen sich zurück
·       haben Konzentrationsschwächen
·       sind schneller unbeherrscht
·       sind zurückhaltend
·       haben ein intensives Gefühlsleben.

Vielleicht habt ihr bei mehreren Punkten genickt und festgestellt: „Ja, genauso verhält sich mein Kind“ und euch anschließend gefragt: „Was mache ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Braucht mein Kind psychologische Hilfe?“

Ist mein Kind krank?
Wir können euch beruhigen. Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal und keine Krankheit. Außerdem wird Hochsensibilität vererbt. Ja, das heißt dann tatsächlich, dass entweder Mutter, Vater oder vielleicht sogar beide Eltern selbst hochsensibel sein müssen. Denkt mal darüber nach. Wie fühlt ihr? Vielleicht erinnert ihr euch an Erlebnisse aus eurer Kindheit oder Jugend, die denen eurer Kinder gleichen.
Man geht davon aus, dass ca. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel sind.
Hochsensibilität ist eine Gabe, die sich, richtig wahrgenommen, sehr positiv auf den Menschen und sein Umfeld auswirken kann.
Mit verschiedenen positiven Eigenschaften ausgestattet wie Einfühlungsvermögen, Intuition, Kreativität, Differenziertheit und vielen anderen mehr, können hochsensible Menschen ihr und das Leben anderer bereichern.

Braucht mein Kind psychologische Hilfe?
Der Weg zum selbstbewussten Umgang mit der Hochsensibilität ist häufig tückisch und anstrengend.
Gerade in der Schule kann das hochsensible Kind oft anecken. Es ist nicht wie die anderen Kinder, die laut lärmend in der Pause über den Schulhof toben. Stattdessen kapselt es sich ab, zieht sich zurück und sucht Ruhe. Es ist nicht dabei, wenn andere Kinder ausgelacht oder gemobbt werden. Stattdessen fühlt es sich in die Lage der Opfer hinein, leidet mit ihnen und steht sogar für sie ein. Und nicht selten passiert es dann, dass das offensichtlich andersartige Kind selbst auch zur Zielscheibe von Ausgrenzung und Mobbing wird.

Ihr solltet den Rat einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten einholen, wenn z. B.:
·       Ihr bei euren Kindern Veränderungen im Verhalten beobachtet
·       Körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen immer wieder auftreten, für die es keine klaren Ursachen zu geben scheint
·       Euer Kind unerklärliche Angst hat
·       Euer Kind unter Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen leidet
·       Ihr selbst mit der Situation überfordert seid

Was kann ich tun, damit es meinem hochsensiblen Kind gut geht?
Die Familie sollte das Kind so nehmen, wie es ist. Es bringt gar nichts, das Kind beispielsweise zu Aktivitäten zu drängen, die es gar nicht machen möchte.  Das hochsensible Kind reagiert anders, als andere Kinder. Es fragt sich, warum seine Eltern es dazu drängen, etwas zu tun, was ihm keinen Spaß macht. Es hat das Gefühl, dass etwas nicht mit ihm stimmt und seine Eltern es nicht so mögen, wie es ist.

Hochsensible Kinder sind einer permanenten Reizüberflutung ausgesetzt und müssen damit irgendwie fertig werden. Deshalb ist es ganz wichtig, dass die Familie mit Verständnis reagiert, das Kind auffängt und ihm einen sicheren Halt bietet. Sie benötigen außerdem viel Anerkennung und die Bestätigung, geliebt zu werden. Bei Überforderung spüren sie ganz genau, wenn sie Ruhe benötigen und möchten sich dann sofort zurückziehen. In der Schule oder bei Freizeitveranstaltungen ist das kaum möglich. Deshalb sollte zu Hause dieser Ort der Ruhe und der Sicherheit sein, wo das Kind zur Ruhe kommen kann.
Einen nicht zu unterschätzenden Schutz vor Überforderung bieten Alltagsstrukturen und Rituale. Durch kluge Planung kann Zeitstress und -druck vermieden werden. Der Tag bekommt Ordnung, an der sich das Kind orientieren kann.

Fazit:
Hochsensibilität ist eine Gabe.
Wenn sich das hochsensible Kind von seiner Familie
·       akzeptiert und geliebt fühlt
·       verlässliche Bezugspersonen hat
·       wenn es so sein darf wie es ist
·       wenn das zu Hause ein sicherer Rückzugsort ist, wo kein Krach dröhnt oder grelles Licht blendet

dann kann es Selbstvertrauen und Resilienz1 aufbauen.
Diese Fähigkeiten helfen dem Kind, mit den Überreizungen des Alltags fertig zu werden und die besondere Gabe der Hochsensibilität zu akzeptieren und sie zu nutzen.

(ufs)

1Resilienz ist die Fähigkeit, seine psychische Gesundheit während Widrigkeiten aufrechtzuerhalten oder danach schnell wiederherzustellen.
Quelle: Resilienz: Das Geheimnis der inneren Stärke - [GEO]