23
May
2023

Ab ins Grüne - Kinder brauchen Natur!

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Kinder, die draußen spielen, auf Abenteuersuche gehen und völlig schmutzig erst zum Abendessen wieder nach Hause kommen, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Immer weniger Kinder erleben heute regelmäßig die natürliche Welt. Die Forschung gab dieser Abkopplung von der Natur und ihren Folgen einen Namen: „Natur-Defizit-Syndrom“. Es beschreibt das Entfremden von der Natur, das Nicht-mehr-Erleben natürlicher Prozesse und die Folgen, die sich daraus ergeben. Vor allem auf Kinder kann sich der fehlende Kontakt zur Natur nachteilig auf ihr Wohlbefinden und auf ihre geistige und körperliche Entwicklung auswirken.

Generation Indoor
Kinder sind besonders anfällig für das Natur-Defizit-­Syndrom. In einer Welt voller Technologie, Bequemlichkeit und Indoor-Aktivitäten verbringen immer mehr Kinder ihre Zeit in geschlossenen Räumen. Sie haben wenig bis gar keine Gelegenheit, die freie Natur zu erleben. Der Schulweg ist oftmals die einzige Möglichkeit, mit einem kleinen Stück Natur in Berührung zu kommen. Rund 90 Prozent des Tages (einschließlich Autofahrten oder Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln) verbringt der moderne Mensch in geschlossenen Räumen. Wenn Kinder keinen oder zu wenig Zugang zum Spielen und Lernen in der Natur haben, kann dies schwerwiegende Folgen für ihre körperliche und geistige Gesundheit haben. Depressionen, Übergewicht, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, mangelnde Kreativität und Lebensfreude können die Folgen sein.

Im Wald gibt’s keine Steckdose
Es gibt kaum noch ein Schulkind, dass kein Smartphone besitzt. Diese kleinen digitalen Wunderwerke sind Segen und Fluch zugleich. Zum einen ermöglichen Smartphones, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, schnell Informationen zu erhalten oder im Notfall Hilfe zu holen. Zum anderen fällt es vielen Kindern und Jugendlichen schwer, das Handy einfach mal zur Seite zu legen. Zu verlockend sind WhatsApp, TikTok, Instagram und Co.
Smartphones drängen das Bedürfnis nach Bewegung und Naturerlebnissen immer mehr in den Hintergrund. „Ich bleibe lieber zu Hause. Hier gibt’s  Steckdosen und WLAN“ oder „Ich spiele lieber Minecraft. Da hab ich auch Natur“, werden einige Eltern bestimmt schon zu hören bekommen haben. 

Kindern fehlen Kinder, Raum, Zeit und Freiheit
Nicht nur die digitale Welt mit ihren vielfältigen Unterhaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten hält unsere Kinder davon ab, rauszugehen und Natur zu erleben. Für Stadtkinder ist es mittlerweile fast unmöglich, naturnah zu spielen. Die modernen Stadtplanungen sehen die Einbeziehung von Natur heute beispielsweise in begrünten Fassaden und Dächern. Das ist schön anzusehen und tut der Umwelt bestimmt gut. Es bietet aber kein naturnahes Lebens- und Erlebnisumfeld. Dazu gibt es in vielen Parks und auf Grünflächen die Schilder, die darauf hinweisen, dass das Spielen verboten ist.
Ein weiteres Problem ist, dass Kinder heute keine
Spielpartner finden oder beklagen, dass sie viel zu
wenig Zeit zum Spielen haben. Auch Eltern können mit ihrem Verhalten den unbeschwerten Spaß blockieren. Überängstlich möchten sie verhindern, dass ihren Kindern etwas zustößt. Sie begleiten ihre Kleinen und Großen zur Schule, auf den Spielplatz, zum Sport und zu anderen Aktivitäten. Statt ihren Kindern Freiraum zu geben, organisieren sie lieber Indoor-Spielenachmittage oder stellen ein Trampolin in den Garten. So kontrolliert können Kinder keine eigenen Erfahrungen sammeln und spontane Abenteuer erleben.

Natur macht Mut
Jetzt haben wir den Salat. Und der kommt aus dem Supermarkt. Viele Kinder haben tatsächlich eine etwas „ungenaue“ Vorstellung von der Natur. Sie kennen Tiere und Pflanzen vorwiegend aus den Medien und wissen beispielsweise nicht, wo die Lebensmittel herkommen.
Leider leben die meisten Kinder nicht wie Astrid Lindgrens Protagonisten in „Bullerbü“. Und ein Zuhause auf einem Berg mit ganz viel Natur und Tieren drumherum wie „Heidi“ haben auch nur die wenigsten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Eltern, Kita, Schule und Freizeiteinrichtungen den Heranwachsenden ermöglichen,
Naturerfahrungen zu machen. Das aktive Erfahren von
Natur fördert bei Kindern und Jugendlichen unter anderem:
Kreativität
Mut
Entdeckerfreude
Konzentration
Empathie
• zielführendes Handeln.

Zum aktiven Erleben gehören übrigens auch Schrammen, Kratzer, Beulen, aufgeschlagene Knie … Kinder möchten ihre Fähigkeiten testen. Sie sammeln nicht nur durch Erfolge, sondern auch durch Missgeschicke Erfahrungen. Sie lernen Risiken einzuschätzen und Probleme zu überwinden. Das stärkt ihr Selbstvertrauen. Alles, was Eltern ihrem Kind abnehmen, kann es nicht mehr selbst entdecken.
(ufs)